Pflegebedürftigkeit

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Pflegebedürftigkeitsbegriff

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff in der Pflegeversicherung:
Pflegebedürftig sind Personen,
die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen
der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen
und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen.

Hierbei werden neben den Bedürfnissen von Menschen mit körperlichen Einschränkungen auch die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und geistigen oder psychischen Einschränkungen berücksichtigt. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens einer nach Punktzahlen bemessenen Schwere im Rahmen eines Pflegegrades bestehen. Wenn die körperlichen, kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingten Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensiert werden können, erfolgt ab Januar 2017 die Einstufung in einen von fünf Pflegegraden.

Ermittlung des Pflegegrads

Die Ermittlung des Pflegegrads mit dem neuen Begutachtungs-Assessment (NBA) 

Der Pflegegrad wird mithilfe eines pflegefachlich begründeten Begutachtungsinstruments ermittelt (ab 01.01.2017 NBA – neues Begutachtungs-Assessment). Anmerkung: in der Fachwelt wird auch die Abkürzung NBI (Neues Begutachtungsinstrument) verwendet.

Bei dem bis 31.12.2016 gültigen Einstufungsverfahren wurde eine von drei Pflegestufen anhand des Zeitaufwands, den ein Laie für die Pflege benötigt, zuerkannt. In einem gesonderten Feststellungsverfahren wurde geprüft, ob der Pflegebedürftige auch in seiner Alltagskompetenz beeinträchtigt ist. Mit dem neuen Begutachtungs-Assessment (NBA), das für alle Antragsteller einheitliche ist, erfolgt die Einstufung in einen Pflegegrad unabhängig davon, ob körperliche, psychische oder kognitive Beeinträchtigungen vorliegen.

Bei dem neuen Begutachtungs-Assessment (NBA), das aus sechs Modulen besteht, die den weiter unten aufgelisteten Begriffen der Pflegebedürftigkeit entsprechen, ist für die Einstufung in einen der fünf Pflegegrade der Grad der Selbstständigkeit einer Person maßgeblich. In den einzelnen Modulen wird für jedes Kriterium der Grad der Ausprägung der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit erhoben.

Die Module des NBA

1. Mobilität
(Gewichtung: 10 %)

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
(Gewichtung: 15 %)

3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
(Gewichtung: 15 %)

4. Selbstversorgung
(Gewichtung: 40 %)

5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits­ oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
(Gewichtung: 20 %)

6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
(Gewichtung: 15 %)

Je schwerwiegender die Beeinträchtigung ist desto mehr Punkte werden vergeben. Die für die Einstufung in einen der fünf Pflegegrade relevante Punktzahl wird mit einer mehrschrittigen Berechnungsfolge ermittelt.

Grad der Selbstständigkeit

Der Grad der Selbstständigkeit wird in den Modulen

1. Mobilität

4. Selbstversorgung

6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

erhoben.

Intensität einer funktionalen Beeinträchtigung

Die Intensität einer funktionalen Beeinträchtigung wird in dem Modul

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

erhoben.

Häufigkeit des Auftretens

Die Häufigkeit des Auftretens wird in dem Modul

3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

erhoben.

Die Einstufung in einen Pflegegrad

Der Gutachter vergibt je nach Einschränkung der Selbstständigkeit oder dem Vorhandensein der Fähigkeiten für jedes Kriterium in jedem Modul Punktzahlen. Nach der Erhebung werden aus jedem der sechs Module die Summen mit Hilfe von Berechnungstabellen gewichtet. Der Gesamtpunktwert wird dann mit einer mehrschrittigen Berechnungsfolge ermittelt. Das Gesamtergebnis kann zwischen 0 und 100 Punkten liegen. Wenn der Gesamtpunktwert mindestens 12,5 Punkte beträgt, liegt Pflegebedürftigkeit vor. Die Einstufung in einen Pflegegrad wird wie folgt bestimmt:

Pflegegrad 1: ab 12,5 bis unter 27 Gesamtpunkte
(Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder Fähigkeiten).

Pflegegrad 2: ab 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkte
(Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder Fähigkeiten),
pflegebedürftige Kinder im Alter bis 18 Monate: ab 12,5 bis unter 27 Gesamtpunkte.

Pflegegrad 3: ab 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkte
(Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder Fähigkeiten),
pflegebedürftige Kinder im Alter bis 18 Monate: ab 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkte.

Pflegegrad 4: ab 70 bis unter 90 Gesamtpunkte
(Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder Fähigkeiten),
pflegebedürftige Kinder im Alter bis 18 Monate: ab 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkte.

Pflegegrad 5: ab 90 bis 100 Gesamtpunkte
(Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder Fähigkeiten
mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung),
pflegebedürftige Kinder im Alter bis 18 Monate: ab 70 bis 100 Gesamtpunkte.

Wenn Pflegebedürftige einen spezifischen, außergewöhnlich hohen personellen Unterstützungsbedarf mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung haben, wird diesen der Pflegegrad 5 zuerkannt, auch wenn bei der Berechnung der Schwellenwert von 90 Punkten nicht erreicht wurde. Dies trifft zu, wenn weder Arme noch Beine eingesetzt werden können (vollständiger Verlust der Greif-, Steh- und Gehfunktionen). Ist dies der Fall, liegt die besondere Bedarfskonstellation „Gebrauchsunfähigkeit beider Arme und beider Beine“ vor.

Einstufung von Kindern und Jugendlichen

Besonderheiten bei der Einstufung von Kindern und Jugendlichen

Das neue Begutachtungs-Assessment (NBA) wird für Kinder und Jugendliche ebenfalls angewendet. Hierbei gelten folgende Besonderheiten: Die Ermittlung des Pflegegrads, der pflegebedürftigen Kindern im Alter von über 18 Monaten zuerkannt wird, richtet sich nach dem Vergleich der Beeinträchtigung ihrer Selbstständigkeit und ihren Fähigkeiten mit der Selbstständigkeit und den Fähigkeiten von altersentsprechend entwickelten Kindern.

Der Gutachter liest anhand von Altersstufen aus vorgegebenen Tabellen ab, wie sich die Selbstständigkeit bei gesunden Kindern entwickelt und inwieweit das pflegebedürftige Kind davon abweicht. Den daraus resultierenden Unterschieden sind feste Punktzahlen zugeordnet, die für die Einstufung in einen Pflegegrad maßgeblich sind.

Ein Kind kann ab einem Alter von 11 Jahren in allen Bereichen, die in die Berechnung des Pflegegrads eingehen, selbstständig sein. Es gelten dann dieselben pflegegradrelevanten Berechnungsvorschriften wie bei Erwachsenen.

Eine Ausnahme bilden pflegebedürftige Kleinkinder im Alter von bis zu 18 Monaten, denen pauschal der nächst höhere Pflegegrad zuerkannt wird. Da sie von Natur aus in allen Bereichen des Alltagslebens unselbstständig sind, können ihnen in der Regel keine oder nur niedrige Pflegegrade zuerkannt werden.

Um sicherzustellen, dass auch für diese Kinder eine Einstufung in einen ihrem Hilfebedarf angemessenen Pflegegrad erfolgen kann, werden zur Beurteilung der Pflegebedürftigkeit die altersunabhängigen Bereiche 3 und 5 herangezogen. Außerdem ist zu bewerten, ob gravierende Probleme bei der Nahrungsaufnahme bestehen, die einen außergewöhnlichen pflegeintensiven Hilfebedarf im Bereich der Ernährung bedingen. Wenn keine relevanten Veränderungen zu erwarten sind, erfolgt nach Vollendung des 18. Lebensmonats die reguläre Einstufung ohne erneute Begutachtung.

Die Kriterien für die Einstufung

Die Kriterien für die Einstufung in einen von fünf Pflegegraden:
Die Kriterien für das Vorliegen von gesundheitlich bedingten
Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten
werden in den Modulen des neuen Begutachtungsassessments (NBA)
wie folgt definiert:

 

Modul 1 – Mobilität

(Gewichtung: 10 %)

Zu beurteilen sind Aspekte wie Körperkraft, Balance und Koordination der Bewegung.

Wie selbstständig kann der Mensch

  • eine Haltung einnehmen
  • eine Haltung wechseln
  • sich fortbewegen?
Die Kriterien des Moduls 1

1.1 Positionswechsel im Bett
1.2 Halten einer stabilen Sitzposition
1.3 Umsetzen
1.4 Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs
1.5 Treppensteigen
Besondere Bedarfskonstellation:
1.6 Gebrauchsunfähigkeit beider Arme und Beine (hier Bewertung mit ja oder nein)

So können die Kriterien bewertet werden:
0 Punkte = selbstständig
1 Punkte = überwiegend selbstständig
2 Punkte = überwiegend unselbstständig
3 Punkte = unselbstständig

 

Modul 2 – Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

(Gewichtung: 15 %)

Von den Modulen 2 und 3 fließt nur das Modul mit der höchsten Punktzahl in die Berechnung des Pflegegrads ein.

Zu beurteilen sind hier kognitive Funktionen und Aktivitäten, nicht die motorische Umsetzung.

Wie gut kann der Mensch sich in seinem Alltag

  • orientieren und beteiligen
  • örtlich und zeitlich zurechtfinden
  • Entscheidungen treffen und steuern?
Die Kriterien des Moduls 2

2.1 Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld
2.2 Örtliche Orientierung
2.3 Zeitliche Orientierung
2.4 Erinnern an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen
2.5 Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen
2.6 Treffen von Entscheidungen im Alltagsleben
2.7 Verstehen von Sachverhalten und Informationen
2.8 Erkennen von Risiken und Gefahren
2.9 Mitteilen von elementaren Bedürfnissen
2.10 Verstehen von Aufforderungen
2.11 Beteiligen an einem Gespräch

So können die Kriterien bewertet werden:
0 Punkte = Fähigkeit vorhanden/unbeeinträchtigt
1 Punkte = Fähigkeit größtenteils vorhanden
2 Punkte = Fähigkeit in geringem Maße vorhanden
3 Punkte = Fähigkeit nicht vorhanden

 

Modul 3 – Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

(Gewichtung: 15 %)

Von den Modulen 2 und 3 fließt nur das Modul mit der höchsten Punktzahl in die Berechnung des Pflegegrads ein.

In welchem Maße kann der Mensch sein Verhalten noch selbst steuern?

Zu beurteilen sind Aspekte wie

  • motorische und soziale Auffälligkeiten
  • verbale und physische Aggression
  • Ängste und Depression.
Die Kriterien des Moduls 3

3.1 Motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten
3.2 Nächtliche Unruhe
3.3 Selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten
3.4 Beschädigung von Gegenständen
3.5 Physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen
3.6 Verbale Aggression
3.7 Andere pflegerelevante vokale Auffälligkeiten
3.8 Abwehr pflegerischer oder anderer unterstützender Maßnahmen
3.9 Wahnvorstellungen
3.10 Ängste
3.11 Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage
3.12 Sozial inadäquate Verhaltensweisen
3.13 Sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen

So können die Kriterien bewertet werden:
Der Gutachter erfasst, wie oft diese Verhaltensweisen personelle Unterstützung erforderlich machen
:
0 Punkte = nie/sehr selten
1 Punkte = selten
3 Punkte = häufig
5 Punkte = täglich

 

Modul 4 – Selbstversorgung

(Gewichtung: 40 %)

Wie selbstständig kann sich der Mensch im Alltag noch versorgen?

Zu beurteilen sind Aspekte wie

  • Körperpflege
  • Essen und Trinken
  • Toilettengänge.
Die Kriterien des Moduls 4

4.1 Waschen des vorderen Oberkörpers
4.2 Körperpflege im Bereich des Kopfes
4.3 Waschen des Intimbereichs
4.4 Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare
4.5 An­ und Auskleiden des Oberkörpers
4.6 An­ und Auskleiden des Unterkörpers
4.7 Mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken
4.8 Essen (bei der Bewertung gelten höhere Punktzahlen)
4.9 Trinken (bei der Bewertung gelten höhere Punktzahlen)
4.10 Benutzen einer Toilette o. eines Toilettenstuhls (bei d. Bewertung gelten höhere Punktzahlen)
4.11 Bewältigen der Folgen einer Harninkontinenz und Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma
4.12 Bewältigen der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma
4.13 Ernährung parenteral oder über Sonde (wird nach Häufigkeit bewertet)

Vor der Bewertung der Kriterien dieses Moduls erfolgt eine Kurzbefragung zu Sondenernährung, parenteraler Ernährung, Blasen­ und Darmkontrolle. Die Kriterien 4.11 bis 4.13 kommen nur zum Tragen, wenn in diesem Zusammenhang etwas in einem bestimmten Maß zutreffend ist.

So können die Kriterien bewertet werden:

0 Punkte = selbstständig
1 Punkte = überwiegend selbstständig
2 Punkte = überwiegend unselbstständig
3 Punkte = unselbstständig

Hiervon abweichende Bewertung

4.13 Ernährung parenteral oder über Sonde (Versorgung mit Hilfe):
0 Punkte = Versorgung selbstständig
0 Punkte = Nicht täglich, nicht auf Dauer
3 Punkte = Täglich zusätzlich zu oraler Ernährung
6 Punkte = Ausschließlich oder nahezu ausschließlich

Wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Bewältigung des Alltags
werden bestimmte Kriterien besonders gewichtet:

4.8 Essen:
3 Punkte = überwiegend selbstständig
6 Punkte = überwiegend unselbstständig
9 Punkte = unselbstständig

4.9 Trinken und 4.10 Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls:

2 Punkte = überwiegend selbstständig
4 Punkte = überwiegend unselbstständig
6 Punkte = unselbstständig

 

Modul 5 – Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

(Gewichtung: 20 %)

Zu beurteilen ist, wie oft ärztlich angeordnete Maßnahmen über längere Zeit nötig sind, wie zeitintensiv sie sind und ob der Mensch sie selbstständig ausführen kann.

Wie aufwendig und belastend ist der Umgang mit Krankheit und Therapie etwa durch

  • Medikation, Injektionen, Messungen,
  • Umgang mit künstlichem Darmausgang oder künstlicher Harnableitung,
  • technikintensive Maßnahmen wie Beatmung?
Die Kriterien des Moduls 5

Die Einteilung in Textabschnitte zeigt, wo ähnliche Berechnungen zugrunde liegen:

5.1 Medikation
5.2 Injektionen
5.3 Versorgung intravenöser Zugänge (Port)
5.4 Absaugen und Sauerstoffgabe
5.5 Einreibungen sowie Kälte­ und Wärmeanwendungen
5.6 Messung und Deutung von Körperzuständen
5.7 Körpernahe Hilfsmittel

5.8 Verbandwechsel und Wundversorgung
5.9 Versorgung mit Stoma
5.10 Regelmäßige Einmalkatheterisierung und Nutzung von Abführmethoden
5.11 Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung

5.12 Zeit­ und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung

5.13 Arztbesuche
5.14 Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen (bis zu drei Stunden)
5.15 Zeitlich ausgedehnte Besuche medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, Besuch von Einrichtungen zur Frühförderung bei Kindern (länger als drei Stunden)

5.16 Einhalten einer Diät oder anderer krankheits­ oder therapiebedingter Verhaltensvorschriften

So können die Kriterien bewertet werden:

Hier wird nur ermittelt, wie häufig eine Maßnahme täglich, wöchentlich oder monatlich nötig ist (Anzahl). Dies wird je nach Aufwand und Belastung unterschiedlich gewichtet. Bei der Bewertung
von Modul 5 wird nur festgehalten, wo der Pflegebedürftige betroffen ist, nicht wie stark die Beeinträchtigung ist.

5.16 Einhalten einer Diät oder anderer krankheits­ oder therapiebedingter Verhaltensvorschriften:

0 Punkte = entfällt oder selbstständig
1 Punkte = überwiegend selbstständig (Erinnerung/Anleitung ist mindestens einmal täglich notwendig)
2 Punkte = überwiegend unselbstständig (benötigt meistens Anleitung/Beaufsichtigung, mehrmals tägl.)
3 Punkte = unselbstständig (benötigt immer Anleitung/Beaufsichtigung)

 

Modul 6 – Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

(Gewichtung: 15 %)

Wie selbstständig kann der Mensch seinen Alltag gestalten und Kontakte pflegen?

Zu beurteilen sind Aspekte wie

  • Tagesablauf gestalten
  • sich beschäftigen
  • Aktivitäten planen
  • Kontakte pflegen.
Die Kriterien des Moduls 6

6.1 Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen
6.2 Ruhen und Schlafen
6.3 Sich beschäftigen
6.4 Vornehmen von in die Zukunft gerichteten Planungen
6.5 Interaktion mit Personen im direkten Kontakt
6.6 Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds

So können die Kriterien bewertet werden:

0 Punkte = selbstständig
1 Punkte = überwiegend selbstständig
2 Punkte = überwiegend unselbstständig
3 Punkte = unselbstständig

 

Der Gutachter übermittelt das Gutachten zur Überprüfung an die zuständige Pflegekasse. Wenn der Bescheid der Pflegekasse vorliegt, können anhand des zuerkannten Pflegegrads der Tabelle Hauptleistungsbeträge auf Seite Zielstelle nicht gefunden! die zustehenden Ansprüche entnommen werden.

Für die Versorgung wird zusammen mit einem Pflegeberater bzw. einem Pflegedienst ein Maßnahmenplan für die Versorgung aufgestellt. Der Pflegeverlauf wird von den Pflegekräften dokumentiert.

Höherstufungsbedarf im Pflegeverlauf

Um im weiteren Pflegeverlauf einen Höherstufungsbedarf zu erkennen, müssen die Pflegekräfte bei der Versorgung alle Abweichungen vom Maßnahmenplan im Pflegebericht bzw. im Verlaufsprotokoll festhalten. Eine Häufung von Abweichungen ist ein Indiz dafür, dass ein Höherstufungsbedarf vorliegt, weil der bestehende Pflegegrad nicht mehr ausreichend ist, um eine angemessene Versorgung sicherzustellen. Ist dies der Fall, so ist eine Höherstufung anzustreben. Hierfür ist erneut ein Antrag bei der Pflegekasse zu stellen.

Der Bescheid der Pflegekasse

Der Medizinsche Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder andere von der Pflegekasse beauftragte unabhängige und fachlich entsprechend qualifizierte Gutachter prüfen, ob ein Pflegegrad und welcher Pflegegrad den Versicherten zuerkannt werden muss.

Die Gutachter ermittelnden den Unterstützungsbedarf anhand eines Fragenkatalogs, mit dem die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten der Pflegebedürftigen umfassend erhoben werden.

Sie erhalten von der Pflegekasse per Post einen Bescheid über die Einstufung in einen Pflegegrad und das Gutachten des MDK, in dem auch notwendige Hilfsmittel und Rehabilitationsmaßnahmen vermerkt werden. Gegen den Bescheid kann innerhalb von vier Wochen unter Angabe der Gründe Einspruch eingelegt werden. Wenn Ihr Widerspruch abgelehnt wird, steht Ihnen der Klageweg vor dem Sozialgericht offen.

Es gilt der Grundsatz Rehabilitation vor Pflege

Jeder, der einen Antrag auf Pflegebedürftigkeit stellt, erhält auch eine Empfehlung zu seinen individuellen Möglichkeiten zur Rehabilitation um langfristige Pflegebedürftigkeit durch geeignete Rehabilitationsleistungen zu vermeiden.

Bei der Begutachtung soll auch geprüft werden, ob durch bauliche Veränderungen in der Wohnung eine selbstständige Lebensführung der Pflegebedürftigen ermöglicht oder eine schwerere Pflegebedürftigkeit vermieden werden kann.

Rechte der Versicherten

Wenn die Begutachtung durch den MDK nicht innerhalb von vier Wochen nach Antragstellung erfolgt ist (es gilt eine Frist von 20 Arbeitstagen, Montag bis Freitag, ohne gesetzliche Feiertage), muss die Pflegekasse drei Gutachter zur Auswahl benennen.

Wenn die Pflegekasse die Entscheidung zu einem Antrag nicht innerhalb von fünf Wochen (es gilt eine Frist von 25 Arbeitstagen, Montag bis Freitag, ohne gesetzliche Feiertage) treffen kann, haben die Versicherten ohne Bescheid Anspruch auf Zahlung einer Pauschale von 70 EUR pro begonnener Woche (Verzögerungsgebühr).

Wenn dem Bescheid der Pflegekasse keine Kopie des erstellten Gutachtens beiliegt, haben die Versicherten das Recht die Übersendung einer Kopie des Gutachtens bei der Pflegekasse zu verlangen. Darüber hinaus ist die Pflegekasse verpflichtet, die Versicherten über die Empfehlung des Gutachters zu Rehabilitationsmaßnahmen und Hilfsmitteln zu informieren.

Für alle Versicherten, die einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung stellen, ist das mit dem Pflegestärkungsgesetz II verabschiedete neue Begutachtungs-Assessment (NBA) verbindlich.

Strukturierte Informationssammlung (SIS)

Die SIS als Grundlage für die Maßnahmenplanung

Die strukturierte Informationssammlung (SIS) ist das zentrale Element des sogenannten Strukturmodells, das im Rahmen der Entbürokratisierung der Pflege zum Zweck einer vereinfachten Pflegedokumentation entwickelt wurde.

Die Strukturierte Informationssammlung (SIS ambulant), die u. a. dem Einstieg in den Pflegeprozess dient, kann beim Erstgespräch mit dem ambulanten Pflegedienst verwendet werden und soll durch die Orientierung an den Wahrnehmungen und Erwartungen des Pflegebedürftigen dessen Individualität und Selbstbestimmung im Sinne einer Person-zentrierten Pflege stärken.

Durch die Erhebung und Beurteilung pflegerelevanter Aspekte soll eine schnelle Orientierung über die Situation des Pflegebedürftigen unter Berücksichtigung pflegerelevanter Risikofaktoren ermöglicht werden. Die SIS ist nicht verpflichtend und könnte als verkürzte Pflegeplanung auf Basis einer umfangreichen Informationssammlung bezeichnet werden.

SIS und das NBA haben unterschiedliche Funktionen

Mit dem neuen Begutachtungsinstrument (NBA) wird von einem Gutachter der sozialrechtliche Anspruch auf die Einstufung in einen Pflegegrad geprüft, damit der Pflegebedürftige ggf. Leistungen der Pflegeversicherung beanspruchen kann.

Mit der strukturierten Informationssammlung (SIS) werden von der Pflegefachkraft zur Ermittlung des individuellen und situationsabhängigen Pflegebedarfs deutlich darüber hinausgehende Informationen erfasst, die die Grundlage für die Einschätzung und Planung des pflegerischen Auftrags und die Ausgestaltung des Maßnahmenplans bilden.

Der Pflegebedürftige (oder sein Vertreter) schildert seine persönliche Lebens- und Pflegesituation. Dabei sollen die Äußerungen so erfasst werden, wie der Pflegebedürftige sie gesagt hat.

Die Pflegefachkraft nimmt die fachliche Beurteilung vor (Einschätzung des Pflegebedarfs und Beurteilung der Risiken).

Im gemeinsamen Verständigungsprozess werden die Sichtweisen des Pflegebedürftigen bzw. seiner Angehörigen und der Pflegefachkraft besprochen. Daraus leiten sich die Art und Weise sowie der Umfang der pflegerischen Tätigkeiten ab. Die Ergebnisse des Aushandlungsprozesses, die in der SIS festgehalten werden, bilden die Grundlage für die Maßnahmenplanung.

Die vier Elemente der SIS ambulant

1. (A) Stammdaten

2. (B) Situationserfassung aus Sicht des/der Pflegebedürftigen: Erst- oder Aufnahmegespräch mit Einstiegs- bzw. Leitfragen im Sinne einer Person-zentrierten Pflege. Hierbei sollen die Antworten bzw. Schilderungen wortwörtlich und ohne Interpretation dokumentiert werden. Es soll vor allem erfasst werden, weshalb Leistungen des ambulanten Pflegedienstes oder der stationären Pflegeeinrichtung benötigt werden und welche Erwartungen mit der Inanspruchnahme der Dienstleistung verbunden werden.

3. (C1) Pflegerelevanten Kontextkategorien bilden die Basis für den Abgleich der vom Pflegebedürftigen erhaltenen Informationen mit pflegefachlichen Beobachtungen und Einschätzungen. Pflegerelevanten Kontextkategorien sind Themenfelder, die sich an die Assessmentmodule des oben beschriebenen NBA anlehnen. Die NBA-Module „Verhaltensweisen und psychische Problemlagen“ sowie „Außerhäusliche Aktivitäten“ sind allerdings nicht als eigenständige Assessmentmodule in das SIS-System integriert.

4. (C2) Ermittlung und Einschätzung von pflegesensitiven Risiken und Phänomenen mit einer Risikomatrix, die Initial- und Differentialassessment verbindet. Zu den Risiken gehören: Dekubitus (Dekubitusprophylaxe, Pflege von Menschen mit chronischen Wunden), Sturz (Sturzprophylaxe in der Pflege), Schmerz (Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten und chronischen Schmerzen), Inkontinenz: (Förderung der Harnkontinenz), Ernährung (Förderung der oralen Ernährung in der Pflege), Demenz und gegebenenfalls individuell auftretende Phänomene (z. B. Erhaltung und Förderung der Mobilität).

Den Eingangsfragen, die den Pflegebedürftigen persönlich betreffen, folgt die fachliche Einschätzung der Pflegekraft, die für jedes Themenfeld zunächst eine Einstiegs- bzw. Leitfrage stellt. Auf Basis der Antworten des Pflegebedürftigen oder der nahestehenden Personen beschreibt die Pflegekraft aus ihrer Perspektive den individuellen Hilfe- und Pflegebedarf sowie die tatsächlichen und möglichen Risiken. Sie orientiert sich dabei an den Leitfragen der einzelnen Themenfelder, die in der folgenden Übersicht aufgeführt werden.

Die sechs Themenfelder der SIS ambulant

Themenbereich 1 – kognitive und kommunikative Fähigkeiten
Inwieweit ist der/die Pflegebedürftige in der Lage, sich zeitlich, persönlich und örtlich zu orientieren und zu interagieren sowie Risiken und Gefahren, auch unter Beachtung von Aspekten des herausfordernden Verhaltens, zu erkennen?

Themenbereich 2 – Mobilität und Beweglichkeit
Inwieweit ist der/die Pflegebedürftige in der Lage, sich frei und selbstständig innerhalb und außerhalb der Wohnung bzw. des Wohnbereichs, auch unter Beachtung von Aspekten des herausfordernden Verhaltens, zu bewegen?

Themenbereich 3 – Krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen
Inwieweit liegen krankheits- und therapiebedingte sowie für die Pflege und Betreuung relevante Einschränkungen bei dem/der Pflegebedürftigen vor?

Themenbereich 4 – Selbstversorgung
Inwieweit ist die Fähigkeit des/der Pflegebedürftigen zur Körperpflege, zum Kleiden, zur Ernährung und zur Ausscheidung eingeschränkt?

Themenbereich 5 – Leben in sozialen Beziehungen
Inwieweit kann der/die Pflegebedürftige Aktivitäten im näheren Umfeld und im außerhäuslichen Bereich selbst gestalten?

Themenbereich 6 – Individuelle häusliche Versorgungssituation
Die selbstständige oder mit Unterstützung erfolgte Organisation und Bewältigung des eigenen Haushalts des/der Pflegebedürftigen werden individuell und situationsgerecht erfasst und beschrieben (z. B. Einkaufen, Kochen und Waschen etc.).

Ermittlung und Einschätzung von Pflegesensitive Risiken und Phänomenen mit der Risikomatrix der SIS

Die Risikomatrix der SIS ambulant dient der Ermittlung und ersten fachlichen Einschätzung von pflegesensitiven Risiken und Phänomenen, die für die Pflege und Betreuung relevant sind.

In einer entsprechenden Tabelle können die ersten fachlichen Einschätzungen der Pflegefachkräfte für jede der sechs Themenbereiche der SIS zu den unterschiedlichen Kategorien vermerkt werden.

Folgende Kategorien sind in der Tabelle vorhanden:

  • Dekubitus
  • Sturz
  • Inkontinenz
  • Schmerz
  • Ernährung
  • Sonstiges

Ferner kann jeweils vermerkt werden, ob eine weitere Einschätzung notwendig ist und ob eine spezielle Beratung zu einer bestimmten Kategorie erfolgen sollte.

 

SIS ambulant

Digitales Formular für die strukturierten Informationssammlung auf CareIO.de verfügbar

Anwender von CareIO.de, die ein Benutzerkonto als Kunde (Pflegebedürftiger oder Angehöriger) registriert haben, können sich kostenlos bei der Planung ihres individuellen Hilfebedarfs von einem professionellen Pflegeberater unterstützen lassen. Der Berater kann sich während des Beratungsbesuchs beim Pflegebedürftigen auf CareIO.de einloggen und das SIS-Formular einfach online ausfüllen.
Die kostenlose Nutzung von CareIO ist für Pflegeberater, Pflegebedürftige, Angehörige oder andere nahestehende Personen zeitlich unbegrenzt möglich. Es fallen auch im Nachgang keine versteckten Kosten an.

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